Ex-„Unter uns“-Schauspielerin Jess Maura schlägt neue, spannende Wege ein: Nach einer Asien-Reise lebt die 29-Jährige seit Juni in Indien und hat dort einen pädagogischen Job angenommen – der Schauspielerei möchte sie trotzdem treu bleiben. Bei „Unter uns“ war Jess knapp zwei Jahre lang als Paula Wolters zu sehen, bis ihre Rolle auf Weltreise ging. Parallelen zur Serie sind dabei kaum zu übersehen: Wie ihre Rolle Paula ist auch Jess selbst zu einem neuen Abenteuer aufgebrochen. Im exklusiven Interview sprachen wir mit Jess über ihre spannenden Auslandsabenteuer…
Du bist aktuell in Indien. Wie kam es dazu?
Jess Maura: Das Verrückte ist: Indien war eigentlich nie der Plan. Ich bin losgezogen mit der Idee, drei Monate allein durch Thailand zu reisen. Es war meine erste große Reise alleine nach Asien, und ich wollte dieses Privileg nutzen, wirklich etwas von der Welt zu sehen. Lustigerweise hatte ich dort sogar noch einen kleinen „Unter uns“-Moment: ich habe in Thailand ein altbekanntes Gesicht getroffen, nämlich den lieben Jakob. Doch relativ schnell habe ich gemerkt, dass ich keinen klassischen Urlaub machen wollte. Ich wollte nicht einfach nur am Strand liegen, Sonne genießen und entspannen. Ich wollte irgendwo wirklich sein. Einen Ort nicht nur besuchen, sondern erleben. Da im Norden Thailands zu der Zeit sogenannte „Burning Season“ war, blieb mir nur der Süden: Dort war Thailand für mich irgendwann sehr stark mit Strand, Meer, Partys und Entspannung verbunden. Das ist schön, aber es war nicht das, wonach Ich gesucht hatte. Also habe ich spontan meinen Reiseplan geändert und bin nach Vietnam gereist. Und dort hat meine Reise eigentlich erst richtig begonnen.

Was hast du in Vietnam erlebt?
Jess: In Vietnam war ich in Hoi An und dort hatte ich zum ersten Mal dieses Gefühl: Genau dafür bin ich losgegangen. Ich bin mit dem Fahrrad durch Reisfelder gefahren, habe tolles veganes Essen entdeckt und zwischendurch wirklich vor Freude geweint, weil ich so überwältigt war. Wer meine Instagram-Highlights gesehen hat, kann diese Momente dort auch sehen. Eine besondere Erfahrung war auch Buffy, eine Straßenhündin aus einem lokalen Tierheim. Sie war sehr ängstlich und konnte deshalb schwer vermittelt werden. Ich habe sie für zwei Wochen bei mir aufgenommen, bin mit ihr rausgegangen und habe versucht, ihr ein bisschen Sicherheit und Alltag zu geben. Es war sehr berührend zu sehen, wie sie in dieser kurzen Zeit aus sich herausgekommen ist. Und das ist etwas, was ich wirklich jedem ans Herz legen würde, der reist: Besucht lokale Tierheime, spendet Futter oder schenkt den Tieren einfach ein bisschen Aufmerksamkeit und Liebe. Das muss gar nichts Großes sein, aber es erfüllt das Herz unglaublich. Gleichzeitig ist mir in Vietnam Indien immer wieder begegnet. Ich habe dort viele Menschen aus Indien kennengelernt und teilweise richtige Freundschaften aufgebaut. Rückblickend fühlt es sich fast so an, als hätte Indien schon leise angeklopft, bevor ich überhaupt wusste, dass es später so eine große Rolle spielen würde.

Wie wurde aus Vietnam dann Indien?
Jess: Das war tatsächlich ziemlich unerwartet. Ich hatte noch in Thailand erzählt, dass ich Lust hätte, einen Teil meiner Reise vielleicht mit einem Travel Buddy zu teilen. Daraufhin schrieb mir Diljith TS aus Indien und wir kamen ins Gespräch. Irgendwann entstand die Idee, uns in Vietnam zu treffen. Also haben wir eine gemeinsame Reise geplant und uns schließlich in Da Nang getroffen: dem sogenannten Miami von Vietnam. Wir waren dort zusammen unterwegs, haben die Stadt erkundet und uns gut verstanden. Nach ein paar Tagen hat Diljith mich eingeladen, sein Land kennenzulernen: Indien. Und das war der Moment, in dem meine Reise plötzlich eine komplett neue Richtung bekommen hat. Erst war nur ungefähr eine Woche geplant. Am Ende wurden daraus über drei Wochen in Südindien. Und ich glaube, genau solche Wendungen kann man nicht planen. Man kann nur offen genug sein, sie zuzulassen.

Welche Eindrücke nimmst du aus Indien mit?
Jess: Indien hat mich komplett überrascht. Ich war vor allem in Südindien unterwegs: Ooty, Munnar, Alappuzha, Marari Beach und Kochi. Ich hatte vorher gar keine Vorstellung davon, wie vielseitig diese Region ist. Besonders Ooty und Munnar haben mich sehr berührt: Berge, Teeplantagen, Wildpferde, Dschungel, Nebel und diese unglaubliche Weite. Es gab Momente, in denen ich einfach nur dastand und kaum glauben konnte, dass ich wirklich dort bin. Ich hatte immer wieder Freudentränen in den Augen, weil es so schön war. In Alappuzha haben wir auf einem Boot übernachtet und sind über den Vembanad Lake gefahren. Überall Palmen, Vögel, kleine Häuser am Ufer und Menschen, die dort ihren Alltag leben. Das war einer dieser Momente, in denen man plötzlich in einen ganz anderen Rhythmus eintaucht. Marari Beach und Kochi haben die Reise dann noch abgerundet mit Strand, Kultur und Geschichte. Und in Kochi hatte ich sogar einen echten Full-Circle-Moment: Dort habe ich Freunde wiedergesehen, die ich vorher in Vietnam kennengelernt hatte. Das war total besonders, weil sich plötzlich alles verbunden angefühlt hat. Am meisten mitgenommen habe ich diese Mischung aus Natur, Farben, Gerüchen, Geräuschen und diesem Gefühl, dass Indien viel größer, komplexer und vielfältiger ist, als ich es vorher verstanden hatte. Auch die sprachliche Vielfalt hat mich beeindruckt. Durch die vielen verschiedenen Sprachen in Indien ist Englisch oft eine gemeinsame Brücke. Fast alle Menschen, die ich getroffen habe, konnten sehr gut Englisch und dadurch sind viele echte Gespräche entstanden.

Du warst dann aber nochmal zurück in Thailand, oder?
Jess: Ja. Als mein Visum ablief, bin ich erstmal zurück nach Thailand, weil meine drei Monate fast vorbei waren und mein Rückflug nach Deutschland kurz bevorstand. Aber je näher dieser Rückflug kam, desto klarer wurde mir: Ich bin innerlich noch nicht zurück. Mein Herz war längst woanders. Ich war in dieser Zeit auch immer wieder unsicher. Es gab Momente, in denen ich verzweifelt war und nicht wusste, was richtig ist. Aber ich habe versucht, nicht nur aus Angst zu entscheiden, sondern aus Liebe. Also habe ich wieder Kontakt zu Diljith aufgenommen und gefragt, ob ich nochmal nach Indien kommen kann. Die Antwort war sofort: Ja. Ich habe meinen Flug umgebucht, meine Sachen gepackt und bin zurück nach Indien geflogen.

Wie geht deine Reise jetzt weiter?
Jess: Und jetzt kommt eigentlich der größte Plot Twist: Aus dieser Reise ist inzwischen mehr geworden als nur eine Reise. Ich hatte unterwegs immer wieder überlegt, ob es vielleicht eine Möglichkeit gibt, länger im Ausland zu bleiben. Dann kamen plötzlich Dinge in Bewegung, mit denen ich gar nicht gerechnet hatte. Ich wurde von einer thailändischen Modelagentur aufgenommen, bekam Kontakt zu einer indischen Schauspielagentur und habe schließlich in Mysore ein Jobangebot als Deutschlehrerin bekommen. Das passt auf eine besondere Weise zu meinem Background. Ich bin nicht nur Schauspielerin, sondern habe auch pädagogische Berufe gelernt und bereits Erfahrung im Unterrichten und Anleiten von Menschen. Manchmal kann ich es selbst noch nicht ganz glauben: Ich bin losgereist, um drei Monate Asien zu erleben, und jetzt habe ich seit Anfang Juni eine Wohnung und einen Job in Indien. Ich weiß noch nicht, wie lange ich bleiben werde. Und ehrlich gesagt möchte ich das gerade auch gar nicht komplett planen. Diese Reise hat mir gezeigt, dass das Leben manchmal viel schönere Wendungen bereithält, wenn man nicht alles kontrollieren will. Auf Instagram nehme ich die Menschen dabei sehr viel mit. Nicht nur bei den schönen Landschaften, sondern auch bei den echten Momenten. In meinen Highlights sieht man ziemlich gut, wie aus „Ich reise mal drei Monate nach Asien“ plötzlich ein ganz neuer Lebensabschnitt wurde.
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Was macht die Schauspielerei?
Jess: Ich glaube, mit der Schauspielerei endet es nie wirklich. Für mich ist Schauspiel nicht nur ein Beruf, sondern eine Art, die Welt wahrzunehmen. Es ist der Blick auf Menschen, Stimmungen und Zwischentöne. Auf das, was jemand sagt und auf das, was unausgesprochen darunterliegt. Gerade diese Reise hat mir das nochmal sehr deutlich gezeigt. Als Schauspielerin muss man rausgehen. Wahrhaftige Tiefe entsteht für mich nicht nur in Proberäumen oder vor der Kamera, sondern durch das Leben selbst. Und das passiert gerade. Ich bin unterwegs und in Veränderung. Ich sammle Eindrücke, Menschen und Geschichten. Und dabei spüre ich, dass all das irgendwann wieder in meine Arbeit als Schauspielerin zurückfließen wird. Ich arbeite weiterhin mit meiner deutschen Schauspielagentur zusammen, mit Marcel Fechenbach, der mich auch bei meiner Entscheidung, diesen Weg zu gehen, unterstützt. An dieser Stelle wirklich ein großes Danke an den besten Agenten der Welt. Gleichzeitig habe ich auch Kontakt zu einer indischen Schauspielagentur, was natürlich sehr spannend ist. Und es fühlt sich auch ein bisschen „back to the roots“ an: zur Pädagogik, zum Unterrichten und zum Unterstützen von Menschen in ihrem Lebensweg. Ich bin ja nicht nur Schauspielerin, sondern auch Gymnastiklehrerin, Pädagogin und Motopädin. Und gleichzeitig fühlt es sich nicht wie ein Endpunkt an. Eher wie ein neues Kapitel, das sich gerade erst öffnet. Ich weiß noch nicht, wie lange ich in Indien bleiben werde und vielleicht ist genau das gerade das Schöne daran. Diese Reise hat mir gezeigt, dass das Leben manchmal die schönsten Wendungen bereithält, wenn man bereit ist, offen zu bleiben. Vielleicht ist genau das gerade meine eigentliche Rolle: nicht eine Figur zu spielen, sondern mein eigenes Leben mutiger, ehrlicher und offener zu leben.

Jess Maura stand knapp zwei Jahre bei „Unter uns“ als Paula Wolters vor der Kamera. Ihren ersten Auftritt hatte sie am 26. September 2022 in Folge 6960. Gemeinsam mit Aaron Koszuta (Valentin Huber) verließ sie die Schillerallee in Folge 7414 am 17. Juli 204 um auf Weltreise zu gehen…

Interview: Offizieller „Unter uns“-Fanclub
Fotos: privat, Agentur/Alexandra Weiß